Bericht zu Aufgspuit am Chiemsee 22.08.2021

„Aufgspuit am Chiemsee“ mit viel Wetterglück
Mit Petrus in sehr gutem Verhältnis standen die Veranstalter von „Aufgspuit am Chiemsee“, die dem Verein Freunde des Heimathauses angehören. Nach dem Sturmregen am frühen Sonntagmorgen hatte sich das Wetter zum Start des Musiktages ab 10 Uhr im Biergarten des Chiemseer Wirtshauses so beruhigt, dass das Musikprogramm mit insgesamt 19 Gruppen programmgemäß den ganzen Tag über stattfinden konnte. Vereinsvorsitzender Hubert Steiner bedankte sich bei Lisbeth Genghammer (zuständig für die musikalische Koordination der Gruppen), Irmi Wallner (koordinierte Helfer und Kuchenspender), Thomas Schlicht (zuständig für technische Belange) und Barbara Baumgartner (zuständig für Koordination und Pressearbeit) sowie bei den Musikanten für ihr Kommen und ihren Einsatz – nur drei Musikgruppen hatten wegen des unsicheren Wetters kurzfristig abgesagt.
Das Corona-Schutzkonzept im Biergarten sah vor, dass die Besucher fest gelegte Plätze zugewiesen bekamen, und die Musikgruppen im Zirkel an Stationen um sie herumwanderten, so dass jeder Anwesende aus der Nähe in den Genuss der einzelnen musikalischen Darbietungen kam. „Leise“ und „laute“ Musikgruppen befanden sich im steten Wechsel, das hatte Lisbeth Genghammer so eingeteilt.  Insgesamt zeigten über einhundert Musiker ihr musikalisches Können, wobei alle einheitlich an dem Konzept festhielten, eine echte überlieferte Volksmusik zu bieten. In den einzelnen Gruppen fanden sich Musik-Profis ebenso wie junge Musikschüler, die zum Teil vor ihrem ersten großen Auftritt vor Publikum standen. Der Wirt des Chiemseer Wirtshauses, Alexander Wolff, ging nach grober Schätzung von insgesamt 1500 Biergartenbesuchern aus, die zwischen 10 und 19 Uhr bei freiem Eintritt im Wechsel an den musikalischen Darbietungen Interesse zeigten. Da er in seinem Gasthaus die bayerische Wirtshauskultur „mit echter bayerischer Tradition“ etablieren möchte, stellte Wolff allen Musikern freie Kost und Getränke zur Verfügung und engagierte als Abschluss-Gruppe die Schladlmusi, die nach erneut eintretendem Starkregen von 19 bis 22 Uhr im Saal die verbliebenen Musikliebhaber mit boarischer Tanzlmusi bestens unterhielten.
Nicht weniger imposant waren die facettenreichen Musikbeiträge aller übrigen Gruppen, von denen viele musikalische Schmankerl virtuos umgesetzt wurden. Von den vertretenen Musikschulen aus Traunwalchen, Inzell, Grassau und Traunstein glänzten die Ziach-Solisten Elias Nassor aus Grassau, Julian Kecht aus Inzell, und der neunjährige Alexander Hofmeister aus Traunstein, der die von seinem Musiklehrer „Albrecht Heini“ für ihn komponierte „Alexander Hofmeister-Polka“ in Abwesenheit seines Lehrers beeindruckend vortrug. Die Inzeller Musikschüler überzeugten in Begleitung von Musikschulleiter Markus Gromes und Musiklehrerin Sabine Kübler mit der Inzeller Geigenmusi und den Berreiter Buam. Die Jung-Musikanten aus allen vertretenen Musikschulen zeigten, dass viele Talente zur Verfügung stehen, die auch künftig für traditionelle Volksmusik sorgen werden.
Von den Nachwuchs-Musikern überzeugten die Niederbuchner Geschwister aus Nußdorf mit der Buachleitn Musi, die Bergwasserl Tanzlmusi, die sich aus Mitgliedern der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgaden zusammensetzt, die Bergbleame Zithermusi aus dem Raum Traunstein mit den drei jungen Frauen Magdalena, Kathi und Bernadette, die Fuschbach Musi aus Vachendorf, die mit vier 16- bis 19-jährigen Jungmusikern die Tradition der Fuschbachtaler-Musi weiterführen möchte, und die Wabach Musi aus dem Raum Traunstein, die durch Power, Jodler und lustige Gesänge  auf Anhieb die Sympathien des Publikums gewann.
Traditionelle Familienmusik wurde von Familienmusi Baumgartner & Wallner aus Chieming geboten, ebenso von Familienmusi Stief aus Ruhpolding, die mit drei Ziachan oder einem Löffel-Schläger auftritt und von Familienmusi Lahner, deren Besonderheit in der Verwendung eines Akkordeons und einer Kontra-Gitarre liegt.
Unter professioneller Leitung steht die Wirtshausmusik Waging mit dem selbständigen Musiklehrer Willi Huber, ebenfalls dem Wirtshaus verbunden ist die Gruppe Mehraloa, die seit etwa sieben Jahren regelmäßig am Musikantenstammtisch im Raum Petting und Schönram teilnimmt und der Tanzlmusi nahesteht, genauso wie die Nachtliachtl Musikanten aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting, die ihren Namen damit begründen, dass sie erst weit nach Mitternacht von ihren Auftritten nach Hause kommen. Auch die Bochleitn Musi und die Daxnschnoata Tanzlmusi, deren Alleinstellungsmerkmal in einem diatonischen Hackbrett besteht, gaben überlieferte Volksmusik mit schmissigen Liedern zum Besten. Ein besonderes Highlight waren die drei Chieminger Alphornbläser mit Irmi Wallner, Albert Asenkerschbaumer und Hermann Probst. Vor fünf Jahren war der Leiter des Chieminger Männerchors, Albert Asenkerschbaumer, der schon seit 40 Jahren ein Alphorn besitzt, auf die Idee gekommen, eine Alphorngruppe zu gründen. Seitdem blasen die drei Chieminger Mitglieder der Chieminger Blasmusik gemeinsam in ihre langen Hörner und erwecken bei unwissenden Zuhörern immer wieder den falschen Eindruck, dass es sich um Schweizer Musikanten handeln könnte.
Hubert Steiner zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des musikalischen Sonntags in Chieming. Dass der erneute Starkregen erst kurz vor 19 Uhr eintrat, also genau mit dem Ende des Biergarten-Programms, war für ihn genauso zufriedenstellend wie die von allen Seiten kommenden „wohlwollenden Rückmeldungen“, dass den Chiemingern mit der Veranstaltung ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung der „echten überlieferten Volksmusik“ gelungen ist.
Text: Arno Zandl

Das Organisationsteam von „Aufgspuit am Chiemsee“ sagt ein herzliches „Vergelts Gott“ an alle Kuchenbäckerinnen, Helfer, Anlagenbau Pöschl, den Verkehrsverein und der Gemeinde Chieming, den Ausschuss für Kultur, Heimatpflege und Bildungswesen Traunstein und allen Gästen. Dank Eurer Unterstützung und Spenden konnten wir den Musikanten ein schönes Fahrtgelt mitgeben.
Ein großes Lob geht auch an die Wirtsleid Alex Wolff und Helmut Würtz und deren gesamtes Team vom Chiemseer Wirtshaus für 14 Stunden bester Bewirtung und unermüdlichen Einsatz in allen Ecken des Gasthauses und die kostenlose Verpflegung von 99 Musikanten und 11 Helfern. Danke sagt der Verein Freundeskreis Heimathaus Chieming, es war ein wunderbarer Tag.

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