Bericht zu Aufgspuit am Chiemsee 23.Juni 2024

Großes Wetterglück hatte „Aufgspuit am Chiemsee“ in diesem Jahr. Nach Regenfällen bis um 9 Uhr früh wurde die Risikobereitschaft der Veranstalter und des Chiemseer Wirtshauses, die Veranstaltung im „Schönwetter-Modus“ an fünf Plätzen im Ort stattfinden zu lassen, im Laufe des Nachmittags belohnt: ein großer Besucheransturm und Begeisterung beim Publikum sprachen für sich.

21 Musik- und Trachtengruppen waren diesmal am Start, um deren Liebe zur echten alpenländischen Volksmusik zu teilen. Insgesamt waren etwa 160 Mitwirkende im Einsatz, die rund um den Schlossplatz unter dem Motto „Aufgspuit am Chiemsee“  einen volksmusikalischen Spaziergang beziehungsweise einen XXL-Marathon an fünf Stationen ermöglichten, der mit zwölfstündigen musikalischen Nonstop-Darbietungen echter überlieferter Volksmusik seinesgleichen sucht.

Die Organisatoren Hubert Steiner, Bärbel Baumgartner, Lisbeth Genghammer, Irmi Wallner und Thomas Schlicht sorgten für einen reibungslosen Verlauf der Großveranstaltung. Unterstützt wurden sie vom Trachtenverein, der in den Mittagsstunden für Bühnenprogramm im Biergarten des Chiemseer Wirtshauses sorgte, vom katholischen Frauenbund, der Kaffee und Kuchen verkaufte und vom Heimatverein, der personell und unterstützend hinter dem Konzept der Veranstaltung steht.

Dass die musikalische Großveranstaltung am Chiemseeufer kein Geheimtipp mehr ist, belegt die Anwesenheit von mehreren Kamerateams des Bayerischen Rundfunks, die mit Moderatorin Susanne Wiesner einen Beitrag für die Volksmusiksendung „BR Heimat Zsammg`spuit“ drehten. Die Aufnahmen werden voraussichtlich im Herbst 2024 im Fernsehen zu sehen sein.

Den Auftakt im Chieminger Biergarten machte die mit sechs Musikanten renommierte Thalberg Musi unter Leitung von Ziachspieler Thomas Büchele, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum feiert.
Die Chieminger Kindergruppe des Trachtenvereins sorgte auf der Bühne des Biergartens im Chiemseer Wirtshaus mit Tänzen, Plattlern und Liedern für Begeisterung beim Publikum.

Zum ersten Mal dabei waren die aus Österreich kommenden Gruppen HaSte-Blech und die Unkna Tanzlmusi, die beide über Instagram auf die Großveranstaltung am Chiemsee aufmerksam wurden. Beide Gruppen überzeugten durch ihre Professionalität.
Der Name „HaSte-Blech“ erklärt sich mit den vertretenen Musikinstrumenten Ha(rfe), Ste(irische Harmonika) und den Blech(blasinstrumenten). Die sechs ambitionierten Musiker hatten vom Millstätter See in Kärnten aus, den weitesten Anfahrtsweg und testeten gleich nach Ankunft in einem Bad die Wassertemperatur des Chiemsees.

Am Nachmittag machten an der Schlossmauer die  Elstätzinger Musikanten ihre musikalische Aufwartung, bestehen aus einer Verbindung zwischen Salzburger und bayerischen Vollblutmusikern bereits seit 1988. Zum Sextett gehören unter anderem Volksmusikpfleger BGL Hans Auer aus Hammerau , Katharina und Rupert Pföß aus Elsbethen bei Salzburg sowie Lisbeth Genghammer aus Vachendorf. Um die auch singende Gruppe scharte sich das Publikum voller Begeisterung.

Es folgte die Werkstatt Musi mit neun Musikern aus der Umgebung von Traunstein. Polkas, Märsche und selbst komponierte Lieder des Tenorhornisten Franz Wirnshofer kamen beim Publikum sehr gut an.

Auch die Unkna Tanzlmusi bestach mit ihren sechs Blasinstrumenten in Kombination mit einer Steirischen Harmonika durch wohlgefällige Klänge, vor der sich am Schlossplatz die Besucher an Biertischen in Massen versammelten, um den böhmischen und Oberkrainer Stücken, teilweise mit Gesängen untermalt, zuzuhören.

An gleicher Stelle sorgte am späteren Nachmittag die „Daxnschnoater Tanzlmusi“ für musikalische Unterhaltung, die bereits seit 40 Jahren zusammenspielt. Das Alleinstellungsmerkmal liegt für den Leiter der Gruppe, Herbert Abeska, in der Tiroler Besetzung mit zwei Flügelhörnern und dem Diatonischen Hackbrett, das von Irmi Eckart gespielt wird.

Unter Koordination des Inzeller Musikschulleiters Markus Gromes spielte auch die Bergwasserl-Musi am Schlossplatz auf. Eine Gruppe aus fünf Freunden, die für feine, aber auch fetzige Klarinettenklänge steht.
Am Bienenlehrpfad kamen zunächst die Musikschulen aus Inzell, Grassau, Traunstein und Traunwalchen mit ihren insgesamt 39 Schülern zur Aufführung ihres vielseitigen Programms.

Später setzte sich die Nachtliachtl Musi unter den Apfelbaum, um mit Volksweisen, „selbstgestrickten Stücken“ und gesungenen Volksmusikliedern die Zuhörer zu berühren.

Ein idyllisches Plätzchen zum musikalischen Verweilen war auch der Pfarranger neben dem Krebsbach. Die lokalen Musikgruppen D`Hochlerch-Musi mit Musikanten aus dem Chiemgau und Achental, die Muasa Musi mit fünf ambitionierten jugendlichen Musikern um Wasti Wallner aus dem Raum Chieming und Vachendorf sowie die bewährte SeeOderBerg Musi mit den Familien Wallner und Baumgartner aus Chieming und Oderberg brachten ihre Freude an der Musik zum Ausdruck.

Durchgehend gute Unterhaltung war auch im Biergarten des Chiemseer Wirtshauses geboten. D`Astigen 13 unter Leitung von Andreas Pfannerstill steht mit ihren dreizehn dynamischen Interpreten für lockere Blasmusik vorwiegend im Böhmisch Mährischen Stil. Auch das freundschaftlich verbundene Sextett der Hammerer Viaschupf-Musi sorgte für zweieinhalb Stunden Unterhaltung, bevor von der siebenköpfigen Doiwinkel Musi mit Bravur alternativ zum mittlerweile laufenden EM-Spiel  der Schlusspunkt des zwölfstündigen Volksmusik-Tages gesetzt wurde.

Optische und musikalische Schmankerl waren die drei Chieminger Alphornbläser, die mit ihren langen Instrumenten die Blicke der Zuschauer auf sich zogen. Am frühen Abend hielten sie gerade ihr Abschiedsständchen auf dem Dampfersteg als der Dampfer Edeltraud gerade seine Passagiere im Chieminger Hafen an Land brachte. Den krönenden Abschluss am See neben dem Dampfersteg bildeten zwei Boote mit Weisenbläsern: In einem Boot saßen die Daxnschnoater Bläser, im zweiten Boot die Bläser aus der SeeOderBerg Musi, Wasti Wallner und Markus Baumgartner mit Unterstützung von Pius Bauer, die in abwechselnder Folge der sonntäglichen Abendstunde vor mehreren hundert Zuschauern einen festlichen Rahmen gaben. Es lag eine besinnlich meditative Stimmung in der Luft, mit Blick über den blau-grauen See, die Chiemgauer Bergkulisse und vereinzelt Kajak-Fahrern im Hintergrund sowie dem an- und ablandenden Chiemseedampfer Edeltraud im Blick. Mit großem Applaus wurden die Weisenbläser von den beeindruckten Zuschauern am Ufer honoriert.

Text: Arno Zandl

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